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Seine geschenkte Zeit

Pfarrer Max Falschlunger
zum Evangelium vom Neujahrstag
L 1: Num 6,22-27
L 2: Gal 4, 4-7
E: Lk 2,16-21

Das Neue Jahr 2010 hat begonnen – für viele mit Raketen, Böllern, mit gemütlichem Zusam-mensitzen und mit dem Anstoßen des Sektglases; für manche beim Fernsehapparat, auf einer stillen Berghütte, an einem Wallfahrtsort, wie in St. Georgenberg, für manche mit einer stillen Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten mit Dank, Bitte, Lobpreis oder stillem Gebet.

Für uns alle liegt das neue Jahr noch ausgebreitet wie ein weißes, unbeschriebenes Blatt Papier. Es wartet darauf, daß wir Menschen es beschreiben, mit Leben erfüllen und gestalten. Die Zeit, 8760 Stunden, 365 Tage, werden der kostbare Rohstoff dieses Jahres sein für mein Leben und Handeln.

Die Zeit wird von Gott geschenkt sein. Wir haben keinen Rechtsanspruch auf die Zeit, auf dieses Jahr. Gott ist der Herr der Zeit, der Herr meines Lebens. Deshalb sagen wir auch: „Anno Domini“ 2010 war das und jenes, im Jahr des Herrn, denn es gehört Gott. Die Osterkerze wird gesegnet mit den Worten: „Sein ist die Zeit und die Ewigkeit.“ Bei Gott gibt es keine sinnlose Zeit. Alle Zeit ist eingebunden in Seinen Heilsplan.

Jeder von uns hat Hoffnungen und Wünsche für dieses neue Jahr und wir sagen unseren Mit-menschen manchmal recht gedankenlos, manchmal aus tiefstem Herzen unsere Wünsche.

Es wird im Neuen Jahr junge Menschen geben, die sich verlieben, verloben, miteinander den Lebensweg gehen wollen, weil sie sich lieben. Für sie gilt, was bei Kohelet im AT steht: „Es ist eine Zeit der Liebe und des Tanzes“.

Es wird Menschen geben, die krank sein werden und in diesem Jahr Heilung erfahren werden, denen ein Neuanfang geschenkt wird. Sie werden mit Kohelet ausrufen: „Danke, daß du uns diese Zeit der Freude geschenkt hast!“ Ich würde diese Heilung meiner schon jahrelang krebs-kranken Mitschülerin wünschen, die allerdings in dieser Zeit unwahrscheinlich gereift ist.

Allerdings wird es auch Menschen geben, denen diese Heilung nicht gegeben wird, die ihr Leid tragen müssen, lernen müssen Gottes Willen anzunehmen.

Manch junger Mensch wird Vater oder Mutter, manch älterer Mensch Großvater oder Großmut-ter. Sie werden mit Kohelet rufen: „Es ist eine Zeit zum Gebären, eine Zeit zum Leben.“ Aber in unserem Bekanntenkreis wird es auch Menschen geben, die sterben werden, oder Menschen, die geliebte Menschen verlieren werden. Sie werden vielleicht mit Kohelet klagen: „Es ist eine Zeit für den Abschied, eine Zeit zum Sterben.“

Dieses alles und noch viel mehr wird im kommenden Jahr des Herrn geschehen! Wir wissen nicht, was alles an Schlechtem, Traurigem aber auch Gutem, Hoffnungsvollem kommen wird. Aber auch, wenn wir meinen, wir fallen in das Bodenlose, dürfen wir wissen: Wir fallen nie tiefer als in die offenen Hände Gottes, die uns bergen und schützen und trösten, wenn wir Gott su-chen, auch wenn wir diese Hände zuerst nicht zu sehen glauben. Es kann uns nichts von der Liebe Gottes trennen.

Am Anfang dieses Jahres steht auch die Mutter Jesu Christi, die den Erlöser geboren hat. Auch sie kann nichts abhalten, für uns Fürbitte einzulegen. Mit ihr dürfen wir in das Neue Jahr gehen. Sie will nichts, als uns zu ihrem Sohn, unserem Erlöser, führen.

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