Schwierigkeiten in der Hl. Familie
Pfarrer Max Falschlunger
zum Evangelium des Familiensonntags
L 1: Sir 3,2-6.12-14
L 2: Kol 3,12-21
E: Lk 2,41-52
Zum Fest der Hl. Familie möchte ich Gott vor allem für die vielen Familien danken, die sich um einen guten Geist bemühen. Soweit ich es spüre, erleben viele Partner und Kinder in unserer Pfarre, bei allen Grenzen und Schwierigkeiten, die es in jeder Gemeinschaft gibt, auch Geborgenheit, Zusammenhalt, Hilfe und Freude in ihrer Familie. Jeder, jede von uns, auch wir Priester kennen Versagen und Grenzen, aber wir dürfen alle wachsen im Leben und im Glauben.
Zuerst hat es ganz normal begonnen in der Hl. Familie, wie bei vielen anderen Familien auch, mit einer Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem, mit dem Gebet mit vielen anderen Bekannten und Verwandten. Auch ich durfte mit meinen Eltern zweimal jährlich nach Maria Waldrast wallfahren, um dort zu beten. Das Beispiel meiner Eltern hat mich sicher geprägt; auch das gemeinsame Tischgebet und das Abendgebet. Die Sonntagsmesse mitzufeiern jeden Sonntag war eine Selbstverständlichkeit. Noch heute macht mir die Mutter ein Kreuzzeichen auf die Stirn, wenn ich heimfahre.
Doch bei dieser Wallfahrt nach Jerusalem war etwas neu: Die Eltern ließen dem heran-wachsenden jungen Jesus viel Freiheit. Er konnte mit anderen jungen Menschen gehen, mit seinen Verwandten. Er musste nicht immer in ihrer Nähe sein.
In den drei Tagen, die er im Tempel war, hat sich aber etwas weit Größeres seiner bemäch-tigt und von ihm Besitz ergriffen: das Erlebnis einer besonderen Nähe und einer inneren, ihn ganz persönlich betreffenden Zuwendung Gottes. Erst später wird er es wagen, diesen Gott auf eine völlig neue Weise anzusprechen, ihn seinen Vater nennen. Er ist Mensch und Gott zugleich – ein unfassbares Geheimnis.
Als Mensch wird ihm allmählich immer mehr bewusst, daß er auch Gott ist. Er bleibt zwar bei seiner Familie. Er wird kein Rebell, der mit seinem Elternhaus bricht. Und doch gehört er seiner irdischen Familie von jetzt an auf eine ganz andere Weise als zuvor. Im Herzen des Heranwachsenden bleibt eine große Spannung. Es bewegt ihn immer wieder die Frage: Wer bin ich?
Wir ahnen, wie schwer den Eltern das neue Verständnis für ihren Sohn gefallen sein mag. Da ging es nicht mehr um Pubertätserscheinungen, um körperliches Erwachsenwerden, um Schwierigkeiten beim Gebet oder bei der Feiern des Gottesdienstes, um irgendwelche Prob-leme bei der Arbeit, oder um Probleme des Lebens. Es ging um unendlich mehr.
Deshalb heißt es im Evangelium „Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte.“ In einer anderen Übersetzung heißt es weiter unten: „Und Maria wälzte alles in ihrem Herzen hin und her.“ Sie durfte, und wohl auch Josef, von dem nichts Weiteres in der Hl. Schrift steht – wachsen an diesem Geheimnis. So spüren wir, daß in dieser Hl. Familie nicht alles so ro-mantisch und leicht verlief, wie es manchmal dargestellt wird.
Daher dürfen auch Eltern und Kinder wachsen, aneinander wachsen, sich immer wieder mit neuen Augen sehen, Spannungen aushalten, verzeihen.
Später, zu Beginn seines öffentlichen Auftrittes, bei seiner Taufe, bekommt Jesus die wun-derbare Antwort von seinem Vater: „Du bist mein geliebter Sohn, dich habe ich erwählt.“
Mit den Augen des Glaubens, durch den Hl. Geist dürfen auch wir immer deutlicher spüren, wie unser Vater, unsere Mutter, unsere Kinder, die Geschwister von Gott geliebt sind, auch wenn wir nicht immer alles verstehen und verstanden haben.





