Perfekt - ist das alles?
Pfr. Max Falschlunger
Zu den Lesungen vom 22. Sonntag im Jahreskreis – LJ B
L 1: Dtn 4,1–2.6–8
L 2: Jak 1,17–18.21b–22.27
Ev: Mk 7,1–8.14–15.21–23
Normalerweise fühle ich mich in einem einigermaßen sauberen Raum oder Haus wohl. Auch bei mir selber gefällt es mir gut, wenn nicht allzu viel herumliegt, wenn ich den Raum halb-wegs aufgeräumt habe, wenn nicht zentimeterdick Staub oder Schmutz auf dem Boden liegt. Unsere Mitarbeiter sorgen bestens dafür, daß das nicht der Fall ist. Ich trinke auch gerne aus einem sauberen Glas und esse gerne aus einem sauberen Teller. Auch dafür sorgen unsere Leute.
Ich fühle mich aber nicht wohl, wenn ich beim Betreten eines Hauses gleich aufgefordert werde, die Schuhe auszuziehen und Patschen anzuziehen. Manchmal gibt es übersaubere Hausfrauen oder auch Hausherrn.
Bei schlechtem Wetter frage ich selber, ob ich die Schuhe ausziehen soll, weil ich wirklich nicht Schmutz in die Wohnung bringen möchte. Aber am wichtigsten kommt mir vor und am schönsten ist es in einem Raum, wenn eine schöne und herzliche Atmosphäre von den Men-schen her herrscht. Bei zu großer Reinlichkeit fürchte ich, daß diese Reinlichkeit andere Probleme verdeckt.
Jesus hat die Gebote Gottes sehr ernst genommen. Er selber sagte: „Wer eines von diesen Geboten, und wäre es das kleinste, nicht hält und nicht halten lehrt, wird im Himmelreich der Kleinste sein“. Aber die Schriftgelehrten haben zu diesen Geboten Gottes noch so viele Auslegungsbestimmungen hinzugefügt, so daß diese nur mehr äußerlich erfüllt wurden, daß sich die Menschen nicht mehr auskannten oder sie als übergroße Last empfan-den.
So wie zur äußeren Sauberkeit eines Raumes die innere herzliche Atmosphäre der Gastgeber gehört, so ist eine neue innere Haltung wichtiger als eine rein äußerliche Erfüllung der Gebote.
Die von Gott den Israeliten geschenkten Gesetze und Satzungen sind ganz wichtig und wert-voll für die Israeliten, wie wir in der ersten Lesung gehört haben. Sie erinnern sie an den Gott, der sie aus ihrer Niedrigkeit emporhob und sie aus aller Unterdrückung befreite. Die Gesetze Gottes garantieren das Überleben der Schwachen. Sie sorgen für Gerechtigkeit und damit für den Frieden.
Solche Gesetze sind wie ein Licht in der Nacht. Die Einhaltung dieser Gebote soll das Volk täglich daran erinnern, daß es heilig sein soll wie auch Gott heilig ist. Wo dieser tiefere Sinn aus dem Blick gerät, setzen sich menschliche Vorschriften, die zwar auch gut gemeint waren, an die Stelle der Gebote Gottes. Wenn die Menschen nicht mehr wissen, was der tiefere Sinn der Gebote Gottes ist, werden sie sie nur mehr oberflächlich oder äußerlich halten oder bald gar nicht mehr beachten.
Es geht um die Umkehr des ganzen Menschen, sagt Jesus im heutigen Evangelium. Es geht um Sein neues Denken, Fühlen und Handeln. Wo Menschen, die an Gott glauben, zu ihm beten und Lieder singen, aber sich bewusst nicht um Barmherzigkeit und Gerechtigkeit je-dem Menschen gegenüber bemühen und nicht den Armen helfen, wird das Einhalten von religiösen Vorschriften, das Feiern von schöner Liturgie nicht nur überflüssig, sondern zum Ärgernis.
Gott sieht aber das Bemühen und Suchen um den Geist der Gebote, um die Liebe, um Barmherzigkeit. Unser Bemühen wird nie vollkommen sein, aber wenn es nur da ist, dann kann Gott auch Barmherzig sein bei unserem Versagen.
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