Der sichtbar gewordene Vater
Predigt von Cons. Max Falschlunger
7. Sonntag der Osterzeit, 05.06.2011 – Ev Joh 17, 1 – 11a
Vielleicht hat uns schon einmal jemand gefragt: „ Wie war eigentlich dein Vater? Ich habe ihn nicht mehr gekannt. Mich würde es interessieren. Kannst du mir erzählen?“ Wir könnten wahrscheinlich dann einiges von unserem Vater erzählen.
Ich könnte z.B. erzählen, dass mein Vater ein eher ruhiger Mensch war, aber auch lustig sein konnte. Ich erinnere mich noch gerne daran, wie er als Schmied, die glühende Stahlstange aus der Esse geholt hat und daraus die Hälfte einer Zange geschmiedete. Ich durfte viel mit ihm auf die Berge gehen - im Winter, schon sehr früh - mit den damals noch sehr primitiven Schiern, bespannt mit Fellen - aufsteigen und dann herunterfahren. Er hat relativ selten aber dann sehr tief über seinen Glauben gesprochen.
Ähnliches und vieles andere könnten wir wohl alle erzählen. Der Mensch, der uns gefragt hat, würde allmählich ein, wenn auch unvollständiges Bild von unserem Vater bekommen, den wir vielleicht mit all seinen Grenzen sehr geschätzt haben, mit dem wir von Natur aus schon verbunden waren.
Jesus Christus spricht sehr oft und gerne von seinem Vater, mit dem er nicht nur ein wenig, sondern total verbunden ist. „Ich und mein Vater sind eins.“ sagt Jesus. Jesus ist viel mehr mit seinem Vater verbunden als wir Menschen mit unserem Vater, auch wenn wir ihn noch so sehr geschätzt haben und heute noch schätzen. Er ist eins mit ihm im Dreifaltigen Gott durch den Hl. Geist.
„Ich bin im Vater und der Vater ist in mir“, sagt Jesus. Mit allem, was er uns Menschen sagt, beschreibt er seinen Vater, der ganz anders ist, als ihn die Menschen damals sich und wir uns heute vorstellen. Er ist gerecht aber auch überaus barmherzig. Er geht dem verlorenen Sohn/Tochter entgegen, der zurückkehrt, nimmt ihn in die Arme, feiert ein Fest mit ihm. Er steht zu den Armen, tröstet die Trauernden, gibt den Verfolgten die Kraft, durchzuhalten.
Alles, was Jesus sagt und tut, beschreibt zugleich seinen Vater, bis zum Tode Jesu am Kreuz, wo er sterbend seine Arme ausbreitet und uns Menschen, die er erlöst hat, seinem Vater bringen will. Wenn wir in der Hl. Schrift lesen, was Jesus gesagt und getan hat, wenn wir von Jesus etwas auf andere Weise hören und erfahren, bekommen wir zugleich ein Bild vom Vater. Jesus sagt: „Die Worte, die du Vater mir gegeben hast, gab ich ihnen uns sie haben sie angenommen.“
Es besteht ein absolutes Einvernehmen zwischen Vater und Sohn. Es ist ein spürbar inniges Verhältnis, genau wie zwischen Personen, die sich „seit ewigen Zeiten“ kennen, die sich in gegenseitigem Vertrauen einander völlig hinzugeben vermögen. Aus dieser totalen Erfahrung der Einheit zwischen Vater und Sohn, bittet Jesus den Vater, dass auch wir Menschen, besonders wir Christen, immer mehr ein Herz und eine Seele werden. So kann die oft so zerrissene Menschheit wieder Heilung finden.
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