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Der barmherzige Samariter

1. Lsg Dtn 30,10-14
2. Lsg Kol 1,15-20
Evangelium Lk 10, 25-37


In der Werbung arbeitet man oft mit Tricks, um uns zum Kauf von Produkten anzureizen: Was reizt, muss größer, mächtiger, farbiger, einfach anders daherkommen, als bisherige Produkte.

Ähnlich verhalten sich auch oft Sekten, die den Menschen das Heil schlechthin verheißen. Mit so einer Sekte war die Christengemeinde von Kolossä, einer Stadt im westlichen Kleinasien konfrontiert. Sie verband auf esoterische Weise Schicksalsglauben mit Sternenkult und versuchte, die Christen von ihrem „altmodischen“ Glauben – unter Anführungszeichen – wie sie ihn hinstellten, abzuwerben für eine Religion, die, wie sie großspurig verkündeten, auf der Höhe der Zeit sei.

Paulus erinnerte die Christen daran, dass sie schon längst alles in ihrem Glauben haben, was sie brauchen und worauf unbedingt Verlass ist. „Gott mit seiner ganzen Fülle“ wohnt in Jesus Christus. Warum sich dann anderen, käuflichen Heilsangeboten zuwenden, die nicht Jesus Christus, der Sohn Gottes sind?

Jesus Christus schreit zwar nicht so laut, wie ein Werbeangebot oder eine Sekte oder die Esoterik. Er ist das A und O, aber oft verborgen, damals und heute. Wer Jesus Christus entdecken will, muss sich auf die Suche machen, sich überraschen lassen, oft festgefahrene Vorstellungen fallen lassen und sich vom Hl. Geist zu ihm hin führen lassen. Aber nicht Jesus Christus ist ergänzungsbedürftig, sondern unser Glaube muss wachen. Christus ist die beste Versicherung, der beste Schutz, verbunden mit einer soliden Marienverehrung gegen eigenartige Heilsangebote, von denen es auch heute zahlreich gibt.

Jesus Christus hat ein Passwort für die Menschen damals und heute, das sicher zum Ziel führt, zum ewigen Leben. Das Evangelium heute nennt dieses Passwort, es ist die „Liebe“, die Liebe zu Gott, die Liebe zum Nächsten und eine gesunde Liebe zu sich selber.

Wahrscheinlich vergleicht Jesus sich selber mit dem Samariter, der sich zu dem unter die Räuber Gefallenen in unendlicher Liebe herunterbeugt, ihm mit Öl und Wein die Wunden reinigt, die Schmerzen lindert, ihn verbindet. Er tut noch mehr. Er hebt ihn auf sein Reittier, bringt ihn zu einer Herberge und sorgt für ihn. Am anderen Morgen holt er zwei Denare hervor, gibt sie dem Wirt und sagt: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, will ich es dir zahlen, wenn ich wiederkomme.

Obwohl jener zum Volk der Samariter gehörte, das damals mit dem Volk der Juden verfeindet war, ist er barmherzig. Er achtet nicht auf die Feindschaft, er achtet nicht auf die Gefahr, die ihm selber droht, für ihn zählt der Mensch, der jetzt Hilfe braucht.

Jesus stellt den Samariter als Beispiel der Barmherzigkeit den Juden hin, obwohl er selber Jude ist und daraufhin Kritik von seinen Leuten erwarten muss. Aber er gibt uns allen als Leitwort, als Passwort, das ewige Leben zu erreichen, die Liebe, vor Augen, die Liebe zum Nächsten ohne Ausnahme, die uns zur Gottesliebe hinführt und die Liebe zu Gott, die nicht möglich ist ohne den Nächsten zu lieben.

Was wäre, wenn ich selber in der Lage des Verwundeten wäre, körperlich oder auch niedergeschlagen durch ein böses Wort, durch eine ungerechte Behandlung, durch einen Mangel an Anerkennung, aber auch manchmal durch ein Missverständnis, durch eine menschliche Begrenzung, die wir alle haben? Braucht nicht jeder einen Nächsten, der ihm barmherzig begegnet?

Und sollte nicht ich auch jedem, ohne Ausnahme ob Jude oder Samariter, ob Türke oder Tiroler Nächster sein, der mich gerade braucht. Jesus sagt uns allen, ohne Ausnahme: „Dann geh und handle genauso!“

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