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Anzug und Krawatte - ist das alles?

Pfarrer Max Falschlunger
zum 2. Sonntag nach Weihnachten
L 1: Sir 24,1-2.8-12
L 2: Eph 1,3-6.15-18
E: Joh 1,1-18

1986 hat es eine ganz große Fernsehpanne in Deutschland gegeben! Die ARD legte für die Silvesteransprache des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl versehentlich das Magazin der Fernsehansprache vom Vorjahr ein. Beim ZDF wurde aber die richtige, aktuelle Anspra-che ausgestrahlt. Das Überraschende aber war: Die meisten Zuschauer, die die Rede auf beiden Kanälen – ARD und ZDF – gehört hatten, bemerkten nicht, daß es zwei verschiedene Reden waren, sie bemerkten nur, daß der Kanzler einen anderen Anzug und eine andere Krawatte trug. Das Äußere, der Anzug und die Krawatte waren für viele wichtiger als der In-halt der Rede. Das ordentliche Auftreten eines Menschen ist sehr wichtig. Anzug und Kra-watte sollten aber nicht ablenken vom Inhalt der Rede.

Gottes Wort hat die Gestalt des Menschen Jesus angenommen. Das Wort ist Fleisch gewor-den. Das heißt, Gott ist uns ganz nahe gekommen. Er wird nie mehr aufhören, uns zu sagen, daß er da ist und, daß er uns liebt und erlöst hat.

Die Weihnachtslieder, der Christbaum, die Krippe, die vielen Lichter an den Fenstern, auf den Straßen, die Geschenke und manches andere können sehr wertvoll und wichtig sein. Sie sollen aber nicht ablenken von dem, was Weihnachten wirklich sagen möchte: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Gott ist uns, verborgen in menschlicher Gestalt, ganz nahe gekommen.

In dem Wort, das Fleisch geworden ist, ist Gott uns so nahe gekommen, daß wir unser Leben verändern können. Wir spüren, mit diesem Wort hält einer, was er verspricht. Hier sagt einer Liebe und er tut Lieb: er sagt Vergebung er gibt Vergebung, er sagt Himmel und er ist Himmel.

Mein Bruder aus Südafrika hat mich am Vorabend des Hl. Abends angerufen: „Wir haben 33 Grad Wärme. Unser Christbaum ist ein immergrüner Kunststoffbaum.“ Können die Menschen in Afrika überhaupt Weihnahten feiern, wenn es keinen Schnee gibt, keinen oder nur sündteure Tannenbäume? Sind Krawatte und Anzug das Wichtigste?

Was ist das Wesentliche beim Weihnachtsfest? „Und das Wort ist Fleisch geworden“, auch für die Menschen in Afrika und überall auf der Welt. Gott ist uns ganz nahe gekommen. Er wird nie mehr aufhören, uns zu sagen, daß er da ist und daß er uns liebt – nicht nur mit Wor-ten, sondern in der Tat. Er liebt alle Menschen ohne Ausnahme, auch die Armen, die am Rande Stehenden, die Sünder. Er wartet auf unsere Umkehr und Heimkehr.

Und er liebt die Menschen auch durch uns, damit alle Kinder Gottes werden.

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