Abschied und Neuanfang...
Pfarrer Max Falschlunger
zum Evangelium am Fest Christi Himmelfahrt
Lk 24,46-53
Abschied macht viele Menschen traurig. Denken wir an die vielen Abschiede auf den Bahnhöfen, auf den Flugplätzen.
Ich denke, wie schwer meiner Mutter der Abschied von unserm jüngsten Bruder fällt, wenn er wieder nach Südafrika zurück fliegt und auch unserem Bruder - wird es diesmal das letzte Mal sein?
Nach der Verabschiedung Jesu am Ölberg, nach seinem Segen über die Jünger als sie ihn dann nicht mehr sahen, weil er sie verließ und in den Himmel emporgehoben wurde, kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.
Manchmal darf man als Seelsorger beim letzten Abschied eines Menschen eine ähnliche Freude, einen ähnlichen inneren Frieden erleben. Ein Mann im Zillertal sagte einmal zu mir: „Ich möchte gern so sterben, dass mich dabei meine Schwester in der einen Hand hält, in der anderen Hand der Pfarrer. Tatsächlich kam ich am Sterbetag zu ihm. Er konnte wirklich so sterben, wie er es gewünscht hatte. Ich erinnere mich noch heute gut an die friedliche frohe Stimmung bei seinem Heimgang zu Gott.
Himmelfahrt ist das Ende der leiblichen Gegenwart Jesu und zugleich ein neuer Anfang: Von nun an müssen die Apostel allein laufen lernen. Der Abschied macht sie nicht traurig. Sie sind voller Freude. Denn sie haben ihren Herrn nicht verloren, er kehrt nur zurück in die Liebe, aus der er kam und in die er auch uns führen wird.
Er hinterlässt den Jüngern und uns einen umfassenden Trost: den Beistand, den Hl. Geist und seinen Frieden, der in unserem Liebesbemühen zur Wirkung kommt. Der Hl. Geist lässt uns dann manchmal schon auf Erden ein Stück Himmel erleben. Jesus selber konnte frohlocken, wenn ihm bewusst wurde, dass er jetzt ganz mit dem Willen seines Vaters übereinstimmte. Das war für ihn ein Stück Himmel.
Vielleicht haben wir auch schon Situationen erlebt, in denen wir spürten, es gibt jetzt keinen Unterschied mehr zwischen dem, was Gott will und ich will. Solche Liebe schmilzt jede Distanz weg. Solche Liebe weiß, was der andere braucht und was ihm gut tut. Der Hl. Geist zeigt es ihm. Bei einer echten, tiefen, inneren Versöhnung kann solcher Friede geschenkt werden.
Ich erinnere mich an die Kinder, wie sie oft nach einer Beichte hüpfend und singend und lachend von der Kirche weggingen. Das kann wirklich schon ein Stück Himmel auf Erden sein.
Wir erleben vielleicht auch manchmal Zeiten, in denen alle Sorgen und Probleme, alle Lasten in den Hintergrund treten. Wir dürfen manchmal Zeiten erleben, in denen alle Spannungen zwischen uns Menschen, alle Missverständnisse beseitigt sind. Wenigstens für kurze Augenblicke – Geschenk des Hl. Geistes, der uns schon auf dieser Welt trösten möchte. Wir erleben die Gegenwart des Herrn in einem tiefen Glaubensgespräch, in der Hl. Messe, bei der Anbetung – ein Stück Himmel, das wir manchmal schon jetzt auf dieser Erde geschenkt bekommen.
Einmal, so hoffen wir, dürfen wir ganz in die Liebe zurückkehren, aus der Jesus kam, in die Liebe des Dreifaltigen Gottes, in der es kein Dunkel, keine Sünde, keinen Tod und kein Leid mehr geben wird, sondern nur mehr Freude und Frieden. Dorthin ist der Herr zurückgekehrt, dorthin möchte uns der Herr ziehen, in diesen Himmel möchte er uns führen.





